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Die Stadtteilzeitung zieht durch den Stadtteil und besucht Plätze und Straßen des Bezirkes.

Blanke Hölle am Alboinplatz

Wallende Nebel, geheimnisvolle Laute, die Stimmung im Oktober ist perfekt für Halloween-Partys, die seit einigen Jahren, aus dem angelsächsischen Raum stammend, auch bei uns beliebt wurden. Doch wir haben in Schöneberg auch mystische Sagen zu bieten!

In grauer Vorzeit lag der Alboinplatz inmitten eines tiefen, dunklen Waldes. Der See in der Mitte, der in der Eiszeit entstand, war ein heidnisches Heiligtum für die Göttin Hel, der Wächterin des Totenreiches. Ein Priester diente ihr und wurde mit einem großen schwarzen Stier, der aus der Tiefe des Sees aufstieg, belohnt. Vor den Pflug gespannt war der Stier ein sehr nützliches Tier, der Ackerbau des Priesters schien gesegnet.

Nun kamen die ersten christlichen Mönche ins Land. Einer davon verirrte sich in diesem Wald. Er traf auf den heidnischen Priester. In gegenseitiger religiöser Toleranz (Das ist das Beste an dieser Geschichte!) lebten sie fortan zusammen, bis der Priester starb. Der Mönch kam allein nicht zurecht. Er zog sich den Groll der Hel zu, die das Wasser des Sees über die Ufer treten ließ und alles, einschließlich des Mönchs, in die Tiefe riss.

Der See heißt noch heute „Blanke Helle“. Der Name kann sowohl als Ableitung von „Hel“ als auch von „Hölle“ verstanden werden. Die Göttin Hel ist identisch mit „Frau Holle“ aus dem Märchen. Zahlreiche Unfälle im Laufe der Zeit, die auf Leichtsinn am steilen Ufer zurückzuführen waren, wurden immer wieder mit dieser alten Sage in Verbindung gebracht.

An den Stier erinnert das Denkmal am südlichen Rand des Sees, das der Bildhauer Paul Meersmann 1937 schuf. Der westfälische Bildhauer griff auf die Relieftechnik der alten Ägypter und Assyrer zurück, als Material verwandte er Rüdersdorfer Kalkstein. Das monumentale Kunstwerk (7,5 m Gesamthöhe) entsprach dem damaligen Zeitgeschmack. Inzwischen ist es in diesem Bereich stadtbildprägend geworden.

Der Verfall in den letzten Jahren wurde von den Anwohnern mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Doch jetzt hat das Landesdenkmalamt und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg (wobei beide Seiten die gute Zusammenarbeit lobten) Teile der Parkanlage, die vom Gartenarchitekten Erwin Barth geschaffen wurde, und den Stier (als „Auerochse“ in die Denkmalliste eingetragen) fachgerecht von Grund auf restaurieren lassen. Eine kleine feierliche Übergabe an die Öffentlichkeit soll in den nächsten Wochen erfolgen.

Sollten Sie jetzt neugierig geworden sein und die Gegend selbst erkunden wollen, dürfen Sie die Nachbarschaft nicht unbeachtet lassen: Die Wohnbebauung auf der Tempelhofer Seite des Platzes wurde 1929-1931 von Erich Glas und Hans Jessen im Auftrag der DeGeWo errichtet. Der Siedlungsabschnitt erhielt den Namen, wie sollte es anders sein, Blanke Hölle. Da klingt die Bezeichnung „Tempelhofer Schweiz“ für das Areal Eresburg- Alboin- und Kaiserin-Augusta-Straße schon einladender, wenngleich auch etwas hochtrabend.

Auf dem Friedhofsgelände an der Eythstraße gibt es ebenfalls einen kleinen See eiszeitlichen Ursprungs, das Ufer ist parkähnlich gestaltet.

Das dritte Gewässer dieser Art befindet sich auf dem Gelände der Lindenhofsiedlung. Der Weiher entstand durch das Zusammenfügen des Dorfpfuhls und der kleinen Blanken Helle. Die Wohnanlage „Lindenhof“ wurde von Martin Wagner und Bruno Taut geplant und in den Jahren 1918-20 errichtet. Sie galt seinerzeit als vorbildlich, weil sie Wohnraum für Familien mit geringem Einkommen bot bei gleichzeitiger Selbstversorgungsmöglichkeit in den Hausgärten. Unterstützend kam hinzu, dass die Siedlung ab 1922 genossenschaftlich verwaltet wurde.

Sollten Sie den Alboinplatz dagegen in nördlicher Richtung verlassen, folgen Sie der gleichnamigen Straße. Wussten Sie, dass Alboin der König der Langobarden (568-573) war?

Die Silhouette des Königs erkennt man am Kontorhaus Alboin, dem ehemaligen Fabrikationsgebäude der Firma Schwarzkopf. Hans Schwarzkopf begann als Eigentümer einer Drogerie- und Parfümeriehandlung in Charlottenburg, in der auch Haarpflegemittel produziert wurden. Als die Räume für das stetig wachsende Geschäft zu klein wurden, wurde hier ein neuer Standort gefunden. Von 1928-30 wurde das Fabrik- und Verwaltungsgebäude nach einem Entwurf von Carl Mackensen errichtet. Es war hochmodern: Die expressionistische Klinkerarchitektur machten es bald zum Wahrzeichen des Schöneberger Industriegeländes, wo Firmen wie Buderus, Schultheiß, Maggi, Opel und Stiebel-Eltron ansässig waren und wurden.

Also, vielfältiger kann ein Stadtviertel kaum sein. Aber lassen Sie sich bei wallendem Nebel nicht von Sagengestalten erschrecken....

Marina Naujoks 5.9.2004

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